Texte

1994 COR KNOPS SCHWARZ – WEISS Zeichnungen.

Fast im Freien, fern vom Grossstadtlaerm, hinter einer auf Strassenseite blinden Mauer, beraubt von Umwelt, arbeitet Cor Knops, begeisterd, genau und Konsequent an seinem Oeuvre: das Gegenteil von Romantik. Denn so duerfen wir seine Taetigkeiten inzwischen wohl benennen: “Oeuvre”.Viele sehr viele Werke. Tadellos eingerahmt und/oder in Passepartout, in kleinen Kaesten, Kisten, Schachteln, Vitrinen, Zinkbuechern, Mappen….,Schubladenkaesten voll. Dieses Buechlein wille in Abbild von einem Teil dieser Arbeiten im Jahre 1994 sein; ZeichnungenSchwarz/Weiss, ohne Aufschmuck.Cor Knops arbeitet vorzugsweise serienmaessig, so auch hier.Es ist kein serielles Werk, in dem Sinne dass das eine nicht ohne das andere koenne. Nein, alle Zeichnungen sind Selbstaendige, autonome Werke, sie sind lediglich die eine nach der anderen gemacht worden.Die Zeichnungen zeigen uns kapselhafte Formen, Gegenstaende auf der Suche nach ihrem Ort im Raum, oder scheinbar nur so im Weltraum wirbelnd. Sie zeigen kraeftige Kompositionen, was auch durch die verschiedenn Formgroessen einen kosmischen raeumlichen Effekt bewirkt.Obwohl die Werke ziemlich orthodox erscheinen, zeigen sie sich bei genauer Betrachtung weniger streng.Ja, die Federzeichnungen sind tatsaechlig mit Bleistift vorgezeichnet – Cor moechte vorhin doch wohl wissen worauf es ungefaer hinausgeht – aber danach mit der freien Hand, fast schwunfoll, geradewegs mit Feder und Tusche aufs Papier gebracht. Auch das Tuschen der Formen, oder gelegentlich des umgebenden Raumes, findet mit einer Behendigheit und Freiheit statt, die man in erster Linie bei dieser Formgebung nicht erwarten wuerde, und die die Starre der kongruenten Formen mit durchbricht.Nur gelegentlich erlaubt sich Cor Knops eine Frivolitaet; letzendlich liebt er den Humor und fuegt er die Zeichnung eine einzige gebogene Linie als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Gegenstaenden hinzu. Cor Knops ist dieser Vorgang der Suche nach ihrem Ort im Raum, oder scheinbar nur so im Weltraum wirbelnd. Sie zeigen kraeftige Kompositionen, was auch durch die verschiedenen Formgroessen einen kosmische raeumlichen Effekt bewirkt. Obwohl die Werke ziemlich orthodox erscheinen, zeigen sie sich bei genauer Betrachtung weniger streng. Ja die Federzeichnungen sind richtige Arbeit. Es bereitet ihm Muehe, aber er zwingt sich dazu, die Zeichnungen sein zu lassen: nicht vollstaendig geplant und bemessen, sondern mit Beibehaltung des Impulsiven und mehr oder weniger Spontane.

Galerie Bastiaans - Uebersetzung: Dr. Serenus Sauerteig, Kunsthistoriker, Freiburg im Breisgau, D. 1994.


Betrachtung eines Liebhabers.

Es muss im Jahre 1989 gewesen sein, dasz ich in der süddeutschen Kleinstadt Freiburg einem niederländische Kunstsammler begegnete, der mir einige Photografieen vom Werk seines Landsmannes Cornelius Knops zeigte. Seitdem verfolge ich die Entwicklung dieses Künstlers mit steigender Achtung. Für mich steht das Knopsche Werk in der modernistischen Tradition. Das ist ja – da wir doch halbwegs der neunziger Jahre den Postmodernismus schon hinter uns haben scheinen – das ist also inzwischen ein regelrechter Anachronismus und zeugt deswegen von Mut und Konsequenz. Knops’Werke zeigen die Vitalität der modernistischen Tradition: noch immer lohnt es um Farbe, Form und Komposition zum Thema der Kunst zu wählen. Noch immer gibt es Künstler, die die künstlerischen Mittel untersuchen auf ihrer immanenten Aussagekraft. Das scheint ein kaltes rationelles Anliegen, ist aber – wie alle Kunst – ein permanentes Balanzieren zwischen Ratio und Gefühl, zwischen Überlegung und Impuls, Abstand und Nähe, Vergangenheit und Gegenwart, letzendes: Tot und Leben. Im Grunde hat das modernistische Verfahren ausgesprochen alchimistische Züge: sie versucht aus dem Einfachsten und Nächsten etwas Wertvolleres, Schöneres zu machen. In dem Gelingen dieses Verfahrens aber scheint das Einfache und Nächste immer durch. Modernistische Kunst wertet so unsere Realität auf: nicht indem sie unsere Köpfe von der Realität wegdreht in Richtung einer schöneren, heileren Welt, sondem dadurch dass sie uns zwingt unserer Realität anders, kreativer zu betrachten. Wer Knops zu solchen Themen befragt, stösst auf dem Staunen de Künstlers. Ich weiss das, seitdem ich mal mit ihm auf dem Dommel geangelt habe. Angeln ist nämlich eine andere seiner Leidenschaften. In seinem kleinen Boot versuchte ich damals unsere Diskussion auf den modernistischen Charakter seiner Kunst zu lenken. Knops aber antwortete mit der Naivität des richtigen Künstlers: “Nun ja, das sind alles ja richtig grosse Worte. Für mich kommt es halt darauf an, dass ein Bild mir gefällt. Und es gefällt mir, wenn mein Streit mit dem Material, mit Farben und Formen also, etwas beständig Schönes liefert. Mit dem Tradition habe ich wenig am Hut, ich liebe nur die Bilder, nicht die Strömung oder Gattung, verstehst du Serenus?”. Ich verstehe das schon, aber habe nun mal als Kunsthistoriker den Auftrag dieses Individuelles, dieses Persönliches irgendwie im Allgemeinen zu verankern. Das heisst wenn dies Individuelle das verdient. Und davon bin ich beim Knopschen Werk überzeugt.

Dr. Serenus Sauerteig, Kunsthistoriker, Freiburg im Breisgau, D. 1994.


1989 Die Erkenntnis der Malerei.

Jeder Versuch, die heutige Zeit als postmoderne zu prägen scheitert am Bestand der Moderne – ob diese nun Einstein oder Mondriaan betrifft. Abstraktion ist eine Anzeichen dieser Moderne. Die Abstraktion ist im Keim Mystifikation; Verheiszung einer Rettung im Angesicht der nuklearen und ökologischen Apokalypse. Dieser bedrängenden Wirklichkeit wird ein Reservat der menslichen Freiheit gegenübergestellt. Trotzdem ist die Abstraktion schon bald verfügbar gemacht worden. Einsteins Theorie wurde zum Alibi der Nuklearwaffe miszbraucht und Mondrians Malerei in der Werbung als Kitsch vermarket. Es mag wundern, Naturwissenschaft und Malerei in einem Zug zu erwähnen.Widmet sich doch die Wissenschaft der Erkenntnis und die Malerei dagegen der Schönheit. Das ist aber die Zweiteilung, die sowohl Einstein wie Mondrian nie befürwortet haben. Kunst und Wissenschaft sind eher komplementäre Erkenntnisquellen. Die naturwissenschaftliche Erkenntnis hat uns Verfügungsgewalt der Technik gebracht. In Wettrüstung und Umweltverschmutzung zeigt sich aber bald ein blindes Auge für das mensliche Masz. Gerade dieses ist Gegenstand der Kunst: die künstlerischen Erkenntnis ist Wissen ums Menschliche. In einem Statement behauptet Cor Knops zu seinem Gemälden: “Die Arbeiten sind Abstrakt, nicht erzählerisch und lassen subjektieven Interpretationen Raum, mit dem Recht oder der Pflicht, sich einem Bild zumachen, das Fremd bleibt”. Das auf Fremdheid beharrende Bild ist Ausdruck jener unverfügbaren Qualität; die nicht zu gebrauchen und deswegen auch nicht zu miszbrauchen ist. Im Grunde fördern die Gemälde einen interesselosen, gewaltlosen Umgang mit den Dingen. Man wird aufgefördert, die wie die Farbschichten sich überlagernden Eindrücke zu erfahren ohne sich an Bedeutungen festzuklammern. Ein von Angst befreiter Umgang mit dem Unbekannten, dem ständig Wechselnden wird gefördert. Ganz in diesem Sinne nennt der Künstler sein Werk denn auch “ein Abbild des Erwägens und des Änderns’’. Und ist nicht das Ändernde Grunderfahrung des menschlichen Lebens überhaupt? Cor Knops’Gemälde zeigen uns seine Erfahrungen und fragen nach den unseren.

Dr. Serenus Sauerteig, Kunsthistoriker, Freiburg im Breisgau, D. 1989.


 Der Rezensent - Johann Wolgang von Goethe - 1749-1832

Da hatt ich einen Kerl zu Gast,

Er war mir eben nicht zur Last;

Ich hatt just mein gewöhnlich Essen,

Hat sich der Kerl pumpsatt gefressen,

Zum Nachtisch, was ich gespeichert hatt'.

Und kaum ist mir der Kerl so satt,

Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,

Über mein Essen zu räsonieren:

"Die Supp hätt können gewürzter sein,

Der Braten brauner, firner der Wein."

Der Tausendsakerment!

Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.


 von Kleist, Heinrich: Brief eines Mahlers an seinen Sohn. Aus: Berliner Abendblätter, 1. Jg., 19tes Blatt, 22. Oktober 1810.

 Mein lieber Sohn,

Du schreibst mir, daß du eine Madonna mahlst, und daß dein Gefühl dir, für die Vollendung dieses Werks, so unrein und körperlich dünkt, daß du jedesmal, bevor du zum Pinsel greifst, das Abendmahl nehmen mögtest, um es zu heiligen. Laß dir von deinem alten Vater sagen, daß dies eine falsche, dir von der Schule, aus der du herstammst, anklebende Begeisterung ist, und daß es, nach Anleitung unserer würdigen alten Meister, mit einer gemeinen, aber übrigens rechtschaffenen Lust an dem Spiel, deine Einbildungen auf die Leinewand zu bringen, völlig abgemacht ist. Die Welt ist eine wunderliche Einrichtung; und die gottlichsten Wirkungen, mein lieber Sohn, gehen aus den niedrigsten und unscheinbarsten Ursachen hervor. Der Mensch, um dir ein Beispiel zu geben, das in die Augen springt, gewiß, er ist ein erhabenes Geschopf; und gleichwohl; in dem Augenblick, da man ihn macht, ist es nicht nöthig, daß man dies, mit vieler Heiligkeit, bedenke. Ja, derjenige, der das Abendmahl darauf nähme, und mit dem bloßen Vorsatz ans Werk gienge, seinen Begriff davon in der Sinnenwelt zu construiren, würde ohnfehlbar ein ärmliches und gebrechliches Wesen hervorbringen; dagegen derjenige, der, in einer heitern Sommernacht, ein Mädchen, ohne weiteren Gedanken, küßt, zweifelsohne einen Jungen zur Welt bringt, der nachher, auf rüstige Weise, zwischen Erde und Himmel herumklettert, und den Philosophen zu schaffen giebt. Und hiermit Gott befohlen.


 

 


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